Archiv Soziale Bewegungen

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Veranstaltung: Ein ungeduldiges Leben

Die radikale Linke im Frankreich der Nachkriegszeit

Am Beispiel der Autobiographie des libertären Leninisten Daniel Bensaïd

Buchvorstellung und Lesung
Mittwoch, 24. Mai 2017, 20.00h
Laterna Magika, Günterstalstr. 37, Freiburg

Eine Veranstaltung des Archivs Soziale Bewegungen. Es lesen die Übersetzerin, Elfriede Müller (jour fixe initative Berlin) und Michael Koltan (Archiv Soziale Bewegungen).

Zum Buch

Daniel Bensaïd schildert in seiner politischen Biographie den Werdegang der Neuen Linken in Frankreich und Lateinamerika. Diese ging und geht ganz andere Wege als die deutsche Linke – was das Buch jenseits des Biographischen zu einer erhellenden Lektüre macht.

Der Aktivist und Philosoph erzählt packend seinen politischen Werdegang, in dem sich Individuum und Kollektiv, Theorie und Praxis überschneiden, widersprechen und versöhnen. Das „Ich“ und das „Wir“, die persönlichen und die geteilten Erfahrungen, zeugen von einem politischen Leben, das im Frankreich der 60er Jahre beginnt.

Die Jugend in einem von den Spanischen Republikanern geprägten Toulouse, der Beginn der 68er-Bewegung in der französischen Provinz und in Paris, die schmerzhafte Erfahrung der argentinischen Linken, die Neulektüre von Marx: Unterschiedlichste Facetten eines bewegten Lebens. Aus der Perspektive eines Akteurs blicken wir auf weltweite politische Ereignisse wie den Algerienkrieg und die antikoloniale Solidaritätsbewegung dagegen, die durch den Protest gegen den Vietnamkrieg weiter befeuert wurde. Daraus entstand in Frankreich eine Linke, die im Mai 1968 in Frankreich eine fast revolutionäre Situation provozierte. Dennoch handelt es sich nicht um eine nostalgische Rückschau auf längst vergangene Zeiten. Greifbar wird dies im mehr den je notwendigen antifaschistische Kampf gegen Strömungen wie den Front National, der Bensaïds Bericht auch für die heutige politische Situation bedeutsam macht.

Die Übersetzerin der Autobiographie, Elfriede Müller (jour fixe initative Berlin) und Michael Koltan (Archiv Soziale Bewegungen Freiburg) werden die Auseinandersetzungen innerhalb der französischen radikalen Linken von 1960-2010 vorstellen und entsprechende Auszüge aus der Autobiographie lesen.

Biographie

Daniel Bensaïd (1946-2010) lehrte Philosophie an der Universität Paris VIII (Saint-Denis), war Mitbegründer mehrerer linksradikaler Organisationen (JCR, LCR, NPA) und versuchte sein politisches Leben lang – nach der stalinistischen Tragödie und dem Triumph der Warengesellschaft – die Hieroglyphen dieser Gesellschaft zu entziffern und eine emanzipatorische Perspektive aufrecht zu erhalten.